VOPA statt VUCA – die Gebote der digitalen Weiterentwicklung

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Eine frisch geknackte 1 Milliarde Euro Marke im Gesamtumsatz und erneut zweistellige Wachstumsdynamik* – die e-Learning Branche boomte auch 2019. So gut sich diese Aussage auch lesen lässt, eigentlich bleibt das Wachstum hinter den Erwartungen einer explosionsartigen Expansion zurück. Gründe gibt es dafür viele – lückenhafte Infrastruktur, mangelnde Förderzahlungen, verhaltene Agilität in den Köpfen externer Stakeholder. Deutschlands Digitalisierung läuft noch in Kinderschuhen.

Aber abgesehen von den äußeren Faktoren, was sind Herausforderungen, die sich aktuell innerhalb der Branche auftun – und wie kann ihnen gegengesteuert werden?

Wir haben uns diese Frage gestellt und 4 große Kernwerte gefunden, die in der erfolgreichen digitalen Weiterentwicklung eine unfassbar große aber leider oft noch unterschätzte Rolle spielen. Passenderweise fiel uns dabei ein bekanntes Modell in die Hände, welches perfekt widerspiegelt, dass digitale Weiterbildung nicht kompliziert sein muss.



VOPA-Effekte wirken VUCA-Risiken vor

Festgemacht haben wir diese Werte an einem bekannten Modell: VOPA – Vernetzung, Offenheit, Partizipation und Agilität. Diese vier Grundsätze der Digitalisierung aus der Feder von Willms Buhse wirken den Risiken unserer globalisierten VUCA-Welt entgegen und verwandeln sie in echte Chancen.

Falls du erst einmal mehr über VUCA erfahren willst, schau dir mein Interview mit Kathrin an. Darin spricht sie ausführlich über die Auswirkungen der VUCA-Welt auf Unternehmen und Führungskräfte.

Wie das VOPA-Modell ein echtes Umdenken in der e-Learning-Branche bewirken kann? exgenios Antworten darauf sieht so aus:



V – die richtige Strategie in der Vernetzung

Es ist glasklar, dass digitale Trainings und Weiterentwicklungen mobil sein müssen, um den heutigen Standards gerecht zu werden. Eigentlich müssten sie aber immer mobiler und wandlungsfähiger werden, um den aktuellsten Ansprüchen an die digitale Transformation zu genügen, und wichtiger noch: sie müssen begeisternd, mitreißend und fesselnd sein. Schließlich wollen Lernende ja das Beste aus ihrer Zeit im Programm herausholen und den digitalen Faktor wirklich zu spüren bekommen.

Wenn also ein Superlativ den nächsten jagt – schneller, besser, weiter – und Lernangebote überall auf Plattformen, Apps, Podcasts und Video abrufbar sind, haben wir dann das Ziel erreicht und die Risiken der VUCA-Welt ausgehebelt? Oder stellen wir uns auf dem Sprint, uns selbst zu überholen, nicht vielmehr selbst ein Bein?

Wichtig ist, im Sprint nicht den Blick auf die Qualität der Laufschuhe zu verlieren.Der innovativste und schnellste Läufer im Rennen zu sein, heißt nicht automatisch, der beste zu sein. Wer auf lange Sicht hin die Lauftechnik außer Acht lässt, wird mit Einbußen zu rechnen haben. Meistens in der Langlebigkeit und der Qualität seiner Leistung.

Genau hier entsteht auch ein großes Gefahrenpotenzial für digitale Weiterentwicklung und e-Learning. Branchenteilnehmende, welche die Priorität auf ein möglichst innovatives Nutzererlebnis legen, schaffen sicherlich Begeisterung. Diese Begeisterung ist allerdings sehr kurzlebig ausgelegt, wenn Anwender feststellen, dass die Inhalte dahinter nicht den Mehrwert bieten können, den sie für eine nachhaltige Weiterentwicklung brauchen.

Für digitale Weiterentwicklung bedeutet das eine Verpflichtung für qualitativ hochwertigen Content vor allem anderen. Erst danach wird das Innovationspotenzial für neue Wege, diese Inhalte zu platzieren, ausgeschöpft. Nur so kann es zu einer nachhaltigen Entwicklung der Branche kommen, die weder auf wertvolle Inhalte noch auf spannende und mitreißende Formate verzichten muss.



O – Digitale Weiterentwicklung lebt von ihrer Offenheit

Schaut man sich zeitgerecht gestaltete Plattformen wie Netflix, YouTube und Instagram an, fallen drei große Gemeinsamkeiten auf:

1. Die Plattformen sind auf dich als Individuum ausgelegt: Die Ansprache ist persönlich, aufwendig gestaltbare Userprofile laden zur Selbstexpression ein und spezielle Listen – erstellt von Algorithmen – erfassen deine Wünsche und Interessen, möglicherweise noch bevor du diese selbst kennst.

2. Statt starren Strukturen und festgelegten User Journeys, bieten moderne Plattformen dir diverse Möglichkeiten, das Anwendererlebnis selbst in die Hand zu nehmen: Du entscheidest als User selbst, wohin es geht – und wann. Ausgestattet mit allen wichtigen Regeln – bestenfalls sehr wenige – bewegst du dich in eigener Geschwindigkeit genau in die Richtung, in die es für dich gehen soll. Trendvorbild ist hier die Open-World-Gestaltung aus dem Gaming-Sektor.

3. Moderne Plattformen bieten dir Unabhängigkeit: Die große Beliebtheit, an der sich Apps heutzutage erfreuen, kommt nicht von Ungefähr. Durch die Optimierung des Angebots hin zur mobilen Anwendung können Anbieter ihre User über einen viel längeren Zeitraum hinweg begeistern. Und als User hast du die Möglichkeit, losgelöst von deinem PC Angebote wahrzunehmen und bist damit nicht nur flexibler, sondern auch selbstbestimmter.

Diese drei Punkte zielen alle samt darauf ab, dich als Anwender zum Mitgestalter der Erfahrung zu machen. Damit setzt du dich nicht nur länger und intensiver mit einer Plattform auseinander, du gehst auch eine viel engere Bindung mit dem dort Gebotenen ein.  

Auch in der Bildungsbranche kommen diese Elemente zum Einsatz und zeigen, dass Weiterentwicklung nicht lebensfern, umständlich und zeitfressend sein muss. Im Gegenteil beweist die erfolgreiche Gestaltung offener Weiterentwicklungsplattformen, welchen selbstverständlichen Stellenwert Bildung in unserem Leben haben kann.



P – digitale Weiterentwicklung erzeugt große Partizipation

Durch digitale Weiterentwicklungen gestalten nicht nur Einzelpersonen individuelle Lernerfahrungen, auch Teams und ganze Abteilungen können ihre gemeinsame Bildungsreise selbst bestimmen. Woran sich die nächste große Chance festmachen lässt: Digitale Weiterentwicklung schafft – wenn sie richtig umgesetzt wird – große Partizipation.

Wie sieht aber die beste Strategie für eine möglichst hohe und aktive Beteiligung der Teilnehmer aus?

Einer der Schlüssel liegt darin, dem immer noch bestehenden Misstrauen gegenüber der Digitalisierung entgegenzuwirken. Am leichtesten funktioniert das, wenn in den Weiterentwicklungen Formate und Interfaces angewandt werden, die dem Nutzer aus dem Alltag vertraut sind. Beliebt sind aktuell zum Beispiel sehr kurz gehaltene Lernvideos, die sich in ihrer Länge und Aufmachung an Medien wie TikTok, YouTube oder IGTV orientieren. Der Sinn dahinter: Statt der kompletten Abbildung eines gesamten Themensektors in einer umfangreichen Videodokumentation, konzentrieren sich solche kurze Video-Happen auf einen Teilaspekt und machen diesen somit sehr greifbar. Komplexe Sachverhalte werden aufgebrochen und in kleine, verdaubare Elemente zerlegt. Ähnlich funktionieren enzyklopädie-artige Lernverzeichnisse, die sich an Wikipedia und ähnlichen Formaten orientieren.

Wenn Weiterbildungsangebote sich an solchen vertrauten Online-Welten anlehnen, entstehen allerdings nicht nur Vorteile. Oft geht bei allem Infotainment die Implementierung theoretischen Wissens in konkrete Handlungskompetenz völlig verloren. Oberflächliche Erkenntnisse sollten kein Ziel einer Weiterentwicklung sein, deshalb gilt: Mit Vorsicht genießen.

Wie die richtige Art von Partizipation noch aussehen kann, erklärt Eric in seinem Blogbeitrag „Erfolgreiche Digitalisierung“ – darin stellt er einige Strategien vor, die noch den letzten Digital-Skeptiker überzeugen werden!



A – Agilität in der Weiterentwicklung

Auch für den Markt der Weiterbildung gilt: Agilität ist eines der wichtigsten Gebote der Digitalisierung!

Die Ansprüche von Zielgruppen, aber auch die Ansprüche auf dem Arbeitsmarkt – und damit die Anforderungen an Inhalte von Weiterentwicklungen – ändern sich in so schneller und unvorhersehbarer Taktung, dass Anbieter flexibel und bewusst reagieren müssen, um nicht abgehängt zu werden. Das gilt übrigens auch für Neueinsteiger auf den Markt, denn auch das modernste Konzept kann in einigen Monaten wieder überholt sein.

Wie schaffen es Weiterbildungen, kontinuierlich am Zahn der Zeit zu sein? Die Antwort klingt erstmal einfach: indem auch sie sich weiterentwickeln – learning by teaching in diesem Fall. Man muss bereit sein, sich selbst und die eigenen Maßnahmen immer und immer wieder zu reflektieren und den Markt dauerhaft im Auge zu behalten: Was funktioniert? Welche Trends sind im Weiterbildungsmarkt wirklich geeignet? Was ist gründlich schiefgelaufen?

Um gut vorbereitet auf die Erkenntnisse dieser Beobachtungen reagieren zu können, gelten zunächst die Grundsätze, die allgemein in der VUCA-Welt gültig sind. Schau dir das Interview zur VUCA-Welt mit Kathrin an, um mehr darüber zu erfahren.

Speziell in der Weiterentwicklungsbranche ist es ein enormer Vorteil, möglichst agil in der Basis – also den Themen, Inhalten, didaktischen Modellen und Angeboten – aufgestellt zu sein.

Micro-Learning-Konzepte sind nicht umsonst so beliebt. Kurz gehaltene Lektionsinhalte sind beweglich und immer wieder anders kontextualisierbar. So wird es möglich, dass Inhalte je nach Bedürfnis immer wieder für einen völlig neuen Anlass zusammengeschnürt werden, ohne Störgefühle entstehen zu lassen.

Ein ebenfalls beliebter Wandel, der auf mehr Agilität im Markt zurückzuführen ist, ist der hin zur Vermittlung bewährter Soft-Skills statt schnelllebiger Hard-Skills. Denn Arbeitsmodelle ändern sich schnell, die Fähigkeit zur erfolgreichen Kommunikation hingegen wird immer wichtiger. Und hier zeigt sich auch, was Agilität eigentlich bedeutet: es kommt nicht darauf an, möglichst moderne und neue Dinge auszuprobieren, um sie krampfhaft im Markt zu etablieren. Sondern darauf, erprobte und immergültige Wirkungsweisen in neue Kontexte zu übersetzen.

So auch in der Weiterentwicklung, die sich selbst immer mehr in Richtung kompetenzorientiertes Blended-Learning entwickelt und damit den Weg für Bildung im Alltag der Lernenden ebnet.

Welchen dieser 4 Bereiche schätzt du für die Weiterentwicklung in Zukunft als am wichtigsten ein? Und wo siehst du im Markt noch kräftig Nachholbedarf?

Falls du mehr zum Thema digitale Weiterentwicklung lesen möchtest, interessiert dich vielleicht unser kleiner Guide zur erfolgreichen Digitalisierung in Unternehmen:

Zum Guide für erfolgreiche Digitalisierung!

*Ergebnisse des mmb-Branchenmonitors „E-Learning-Wirtschaft“ 2019

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