Team erfolgreich: Meine Tipps für Teamleads

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Eva, was ist dein Geheimnis? Warum haben deine Produkte so einen Run?“ Genau diese Frage hat mir mal mein früherer Vorstand gestellt, als ich noch Produktmanagerin bei einem Online-Spiele-Entwickler war. Klar war nicht immer alles super und ich habe Fehler gemacht. Dennoch – es lief gut! Damals fiel mir spontan keine bessere Antwort als „nur Zufall!“ ein. Der Vorstand hat das zum Glück nicht geglaubt. Denn durch sein Hinterfragen wurde mir klar, dass ich den Erfolg keineswegs irgendwelchen Zufällen zu verdanken hatte.

Sofort kam diese Erkenntnis nicht, aber irgendwann ist mir bewusst geworden, dass eigentlich mein Teammanagement verantwortlich sein musste. Denn der wichtigste Grundsatz, den ich als Führungskraft immer, konsequent – auch bei Regen – befolgt habe, ist der, dass es ohne das Team einfach nicht geht. Besonders nicht im Produktmanagement. Mein „Geheimnis“ liegt in dem Sinne darin, wie ich meine Leute behandle.

In einer Führungsposition braucht es selten das detaillierte Wissen eines echten Fachexperten, viel mehr steht und fällt die eigene Aufgabe damit, wie gut man darin ist, Personen miteinander zu organisieren, jedes Rädchen an die richtige Stelle zu setzen und für einen klaren Informationsfluss zu sorgen. Das kann man ohne die Kooperation der Mitarbeiter nicht schaffen – man ist auf das Teamwork seiner Leute angewiesen. Und genau das kann man beflügeln!

Ich habe verstanden, dass ich offenbar automatisch die richtigen Dinge tat, um meinem Team den Rücken zu stärken – und so das Optimale aus jedem einzelnen Teammitglied herausgeholt habe.


Teamwork einfach gemacht: weniger ich und mehr wir!

In meiner Karriere hatte ich mit homogenen Teams und heterogenen Team zu tun. Klein, groß, intern und extern. Jedes Team war anders und doch fand ich immer wieder diese gemeinsamen Stellschrauben, die welche die Zusammenarbeit so viel leichter und erfolgreicher gemacht haben. Ein paar dieser Punkte habe ich gesammelt, um sie hier mit dir zu teilen.


1. Eine gute Teamführung fordert Entscheidungsfreude

Moderne Firmen behaupten gern von sich: „Top-Down existiert bei uns nicht!“. Meiner Erfahrung nach sind solche Aussagen schlicht und ergreifend falsch und sogar unmöglich. In einem Unternehmen existiert immer eine mehr oder weniger offizielle Rangordnung – und damit besteht sie auch in den einzelnen Teams. Diese sollte auch gewahrt werden, denn eine klare Struktur ist ungeheuer wertvoll, um Unsicherheiten zu vermeiden. Dabei ist es auch egal, ob tatsächlich Top-Down praktiziert wird oder eine andere, klare Struktur. Hauptsache ist, die Kommunikations- und Entscheidungsrichtungen sind transparent.

Denn, wenn jedes Mitglied eines Teams genau weiß, wo Entscheidungen getroffen werden – und wie Entscheidungen getroffen werden –, so kann ein Workflow viel schneller, fehlerfreier und genauer vonstatten gehen als in einer vermeintlich anti-strukturellen Ordnung. Die wichtigen Punkte hierbei sind zum einen, dass eindeutig und deutlich kommuniziert wird: Mehrdeutige Aussagen oder Anweisungen sollten unbedingt vermieden werden. Zum anderen sollten sich Führungskräfte bewusst sein, dass sie ihre Entscheidungsgewalt auch ausführen müssen. Nichts ist schlimmer als ein Entscheider, der keine Entscheidungen trifft – so kann ein Manager auch mal ganz schnell zum Bottleneck einer Abteilung werden.


2. Für die richtige Teamführung braucht es saubere Kommunikation

Führungskräfte, aber auch alle Teammitglieder, sollten sich bewusst machen, wie wichtig eine eindeutige und deutlich Kommunikation ist: Mehrdeutige Aussagen oder Anweisungen sollten im täglichen Workflow unbedingt vermieden werden. Man darf nie vergessen: jeder formt eine Situation automatisch zu seinem eigenen Bild im Kopf. Und die Bilder sehen leider oftmals sehr unterschiedlich aus. Das Ziel muss sein, dass die Bilder der einzelnen Teammitglieder am Ende zumindest sehr ähnlich aussehen, sonst entsteht nicht nur Konfliktpotenzial, sondern man arbeitet an einander vorbei. Mir ist schon oft vorgekommen, dass in einem Team völlig unterschiedliche Vorstellungen vom eigentlichen Plan herrschen – so eine Situation endet meist in einem Chaos. Hier ist es an der Führungskraft, den Plan zu vermitteln, die Werte und Visionen zu leben und immer wieder auf das gemeinsame Ziel hinzuweisen. Denn nur so kann das gesamte Potenzial eines Teams zur Zielerreichung gebündelt werden.

Was ich jedem Teamleiter sofort ans Herz legen würde ist, Stand-Ups oder Kick-Offs in den Workflow miteinzubinden. Jeder Mitarbeiter kann hier zwei bis drei Sätze zu seinen aktuellen Aufgaben sagen, wodurch Engpässe, Entscheidungspunkte und Probleme klarwerden. Durch die regelmäßige Absprache des gesamten Teams werden viele Dinge bewusst gemacht. Das wertet die Kommunikation im Team enorm auf und jeder kann sich im Großen und Ganzen einordnen.


3. Ein gutes Team hat viele Facetten

Für ein starkes Team braucht es Diversität: immer so weit, wie es gefordert ist.

Es ist für eine Führungskraft wichtig, das volle Spektrum an Fähigkeiten, was es für die Aufgaben bzw. Arbeit braucht, im Team abbilden zu können. Dafür sollte ein klarer Blick für Bedürfnisse geschult werden – was fordert das Produkt? Was braucht der Kunde? Eine gute Menschenkenntnis ist hier Grundvoraussetzung. Es bringt nämlich überhaupt nichts, einen Mitarbeiter in eine Rolle zu biegen, die er eigentlich nicht ausfüllen kann. So wirst du keinen Zahlenfanatiker je zum kreativen Freidenker machen können. Wo gibt es für wen den richtigen Platz und Aufgabe? Im Zweifel ist die Umstrukturierung eines Teams besser als zu erzwingen, dass dir ein Mitarbeiter im Team unbedingt erhalten bleibt. Damit macht man letztlich niemandem einen Gefallen – und schon gar nicht dem Mitarbeiter, der verbogen werden soll.


4. Der Fokus sollte aufs Ziel gerichtet sein und nicht auf das Ego eines Einzelnen 

Wir bleiben beim Thema Konzentration aufs Ziel. Denn einer der größten Fehler, den ich immer wieder in der Teamführung erlebt habe, ist der, dass einfach viel zu persönlich gedacht wird. In erster Linie geht es in der Teamarbeit um die Sache – also meistens um das Produkt, den Kunden oder die Firma. Danach richtet sich dann das Team aus – also Ressourcen, Kapazitäten, Engpässe, die Kommunikation zwischen einzelnen Teams und die Orientierung im Unternehmen. Und erst dann erfolgt die Betrachtung von Einzelpersonen.

Leider ist es oft so, dass bei Teams der Fokus genau andersherum priorisiert wird. Einzelpersonen – oft genug auch der Teamlead selbst – nehmen sich viel zu wichtig und denken nur in den eigenen Maßstäben. In so einer Atmosphäre kann jeder Schritt und jede Entscheidung falsch verstanden werden, es entstehen Widerstände und Reibungen, die auf Dauer zu einem regelrechten Shutdown führen können. Um so etwas zu vermeiden, empfehle ich jedem, einen Schritt zurückzugehen. In der heutigen Ellenbogen-Kultur kann das manchmal schwerfallen, ich verspreche aber, dass die Dinge mit etwas Abstand oft ganz anders aussehen.


5. In einer guten Teamführung herrscht Menschlichkeit

Wer in der Führung von Menschen erfolgreich sein will, sollte menschlich sein und auch so agieren. Da gibt es eine Million Auslegungsformen, was ich aber meine, ist der folgende Grundsatz, der vor allem in schwierigen Zeiten und Streit gilt:


Menschlich zugewandt, klar in der Sache!


Für mich beinhaltet diese „Regel“ enorm viel. Als Führungskraft solltest du auf Fairness bauen, Respekt vor der Leistung jedes Einzelnen haben, zuhören können und authentisch sein – Nobody’s perfect!

Du musst es aber auch beherrschen, die unangenehmen Sachen klar auszusprechen. Das braucht dein Team ganz besonders, denn ohne jemanden, der Probleme konsequent aus dem Weg schafft, gibt es niemanden, der ihm den Rücken freihält. Hier muss sich jeder Einzelne auf deine Kompetenz als neutraler Mediator, Problemlöser und Streitschlichter verlassen können – auch wenn man im Team vielleicht gar nicht aktiv mitbekommt, welche Hebel du im Hintergrund bewegst.

In einem echten Streitfall ist nicht selten Fingerspitzengefühl trotz hochkochender Emotionalität gefragt. Und Vorsicht: Nicht umsonst behaupten Ärzte und Anwälte, dass sie am häufigsten von Patienten und Klienten angelogen werden. Als Führungskraft musst du dich bei Streit und „Weh-Wehchen“ darauf einstellen, dich auch schon mal mit Unwahrheiten herumschlagen zu müssen. Dann ist es an dir, herauszubekommen, um was es tatsächlich geht – was in den seltensten Fällen das eigentliche Sachthema ist. Hier gelten die Grundsätze: neutral bleiben, richtig hinhören und genau hinschauen bzw. beobachten. Und selbst denken!


Teamwork makes the Dream work

Diese 5 großen Regeln sind aus jahrelanger Teamführung, Teambeobachtung und vielen Gesprächen mit Teams entstanden und ich bin wirklich überzeugt davon, dass jeder Teamleiter von ihnen profitieren kann. Wichtig ist, dass man sie mit Kontinuität und Konsequenz befolgt – deine Sicherheit in den Regeln färbt auf deine Mitarbeiter ab, was insgesamt zu mehr Klarheit und einer besseren Haltung im Team führen wird.

Konntest du den ein oder anderen Grundsatz neu für dich entdecken? Wenn dich weitere Hilfestellung im Bereich Teamführung interessieren, schau hier vorbei:

Die Teamuhr