Gib dein Bestes! – die 7 Stufen der Initiative

Richtig Entscheidungen treffen – die 4 Fragen
07.05.2020
Kritikgespräche: Effekt durch Fingerspitzengefühl
10.06.2020

Eines der Hauptkriterien, die gute Mitarbeiter von den besten Mitarbeitern unterscheidet, ist in meinen Augen deren Fähigkeit zur Initiative. Sich selbst zu eigenen Entscheidungen zu motivieren, Dinge anzugehen und den Mut zu haben, seine eigenen Vorschläge vorzubringen, ist in der heutigen Arbeitswelt wichtiger als je zuvor. Das hat auch seinen Grund. Geht es nämlich darum, ein Unternehmen in seiner Gesamtheit voran zu bringen, baut das heute mehr denn je auf dem Willen und dem Antrieb jedes einzelnen Mitarbeiters auf.

Ich habe schon oft beobachtet, dass Einzelpersonen dafür verantwortlich gemacht werden, wenn ein Projekt ins Stocken gerät oder ein lang benötigtes Umdenken in der Abteilung oder Firma ausbleibt.
Statt die Schuld von sich zu schieben, sollten Mitarbeiter und Führungskräfte gleichermaßen ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass ihr eigenes Handeln im jeweiligen Einflussbereich bereits für das große Ganze entscheidend ist.


Man muss nicht am Steuer stehen, um Einfluss auf den Kurs zu nehmen!


Ich habe mich lange gefragt, wie ich die Wirkungskette der Initiative meinen Mitarbeitern so erklären kann, dass sie nicht abgeschreckt werden, sondern verstehen, wie ihre Einstellung tatsächlich etwas bewegen kann. Eine einleuchtende Darstellung fand ich in den 7 Stufen der Initiative, die Stephen Covey in der „Der 8. Weg“ vorstellt. Dieses Modell zeigt deutlich, dass jeder Mitarbeiter in der Lage ist, sich selbst zu befähigen und damit dem Frust einer vermeintlich festgefahrenen Situation den Kampf anzusagen.


7 Stufen der Initiative

Das Modell kann man sich zunächst als Treppe vorstellen. Sie bewegt sich vom unteren Einflussbereich in deiner Rolle bis nach ganz oben in deine persönliche Kommandozentrale, wo du schaltest und waltest. Eine Stufe nach oben zu steigen, heißt den Einflussbereich im Unternehmen zu vergrößern – aktiv sein lohnt sich also.

Im Einzelnen sehen die Stufen so aus:


Stufe 1 – Warten, bis es einem gesagt wird

In der ersten der sieben Stufen spielt Gelassenheit eine große Rolle. Das kann ganz am Anfang eines neuen Jobs der Fall sein, aber auch ganz unabhängig von Berufserfahrung in Situationen, in denen man einfach keinen sinnvollen Beitrag leisten kann. Hier würde ein zu großer Tatendrang unglaubwürdig sein und möglicherweise für einen Vertrauensverlust sorgen, wenn man offensichtlich keine Ahnung von der Materie hat und dennoch kommentiert, kritisiert oder sogar falsche Vorschläge einbringt.


Stufe 2 – Fragen stellen

Um sich in einem neuen Thema zurechtzufinden, ist es wichtig, Fragen zu stellen und das bestenfalls noch an der richtigen Stelle. Fragen sind die Notwendigkeit für Antworten und Wissen, die dich befähigen, eine sinnvolle Entscheidung zu treffen oder eine Maßnahme zu ergreifen. Oder, um es in den Worten der Sesamstraße auszudrücken: „Wer nicht fragt, bleibt dumm!“


Stufe 3 – Einen Vorschlag machen

Auf dieser Ebene ergreifst du die Initiative, indem du innerhalb deines Einflussbereichs Vorschläge machst. Für einen sinnvollen Vorschlag braucht es Sachkenntnis, aber nicht unbedingt Verantwortung. Das heißt: Das Thema kann eine verwandte Abteilung betreffen oder in deinem Kompetenzbereich liegen, ohne dass du in deinem Unternehmen Verantwortung dafür trägst.


Stufe 4 – „Ich habe … vor“

Hier findet ein großer Sprung statt. In dieser Stufe planst du schon die Umsetzung deines Vorschlags von Stufe 3. Du bist bereit, einen detaillierten Plan umzusetzen und deine Führungskraft muss diesen „nur“ noch freigeben, hat aber keine ToDo’s in der Umsetzung. Damit beweist du, dass du lösungsorientiert bist – dir aber bewusst ist, dass hier die Einwilligung der nächsthöheren Ebene noch vonnöten ist.


Stufe 5 – Es tun und sofort Bericht erstatten

Hier bist du aktiv, du gehst eine Sache an und bist dabei in der Ausführung eigenständig und selbst für die Themen oder Aufgaben verantwortlich. Andere Abteilungen oder Vorgesetzte musst du auf dieser Ebene nur deshalb informieren, um einen reibungslosen Workflow zu sichern und Folgeentscheidungen vorzubereiten.


Stufe 6 – Es tun und regelmäßig Bericht erstatten

Du planst, du handelst, du reportest – diese Ebene findet völlig in deinem Verantwortungsbereich statt. Als Beispiel kannst du dir abteilungsübergreifende Projekte vorstellen, die Kommunikation findet hier berichtsähnlich in einem Jour fixe statt.


Stufe 7 – Es tun

Nimm es in die Hand – es ist wirklich viel einfacher als man zuerst denkt. Und es kann ein richtiger Befreiungsschlag sein, die Verantwortung zu übernehmen. Eigentlich ist es sogar leichter, als zig überflüssige Fragen zu stellen, Absicherungen abzuholen und Rücksprachen zu halten. Ist die Aufgabe in deinem Verantwortungsbereich – dann tu’s!


Mach das Beste aus deinen Umständen

Die einzelnen Stufen verstehen sich übrigens nicht als Einbahnstraße! Es ist abhängig von der Situation, welche Ebene der Initiative angebracht ist. So springt jeder mal zwischen den Stufen, vom Vorschlag hin zur Frage und zurück zum „einfach machen!“

Es gibt zwar kein Geheimrezept, wie du für einen bestimmten Kontext die richtige Stufe findest. Du kannst aber versuchen, dir immer vor Augen zu halten, dass dein Job nicht hart von der Befugnis aus der Stellenbeschreibung begrenzt ist. Du hast garantiert Fähigkeiten und Interessen, die in anderen Bereichen wertvoll sind. Du bist Graphiker, hast aber ein Händchen für Kommunikation? Dann bringe dich mit klugen Fragen und Vorschlägen in die aktuelle Marketingstrategie ein! Du bist als Mitarbeiter in der IT angestellt, in deiner Freizeit aber sehr aktiv in Sport- und Gesundheitsthemen? Dann gibt es keinen Grund, warum du in deiner Firma keinen Fitnesskurs anbieten solltest. Mach einen Plan, wie dein Kurs aussehen soll und welche Inhalte du anbieten möchtest, und besprich dein Vorhaben mit dem Verantwortlichen für Gesundheitsvorsorge in deinem Unternehmen!

Die Stufen an sich sind alle gleich wertvoll. Für mich als Führungskraft ist es aber immer wichtig zu sehen, dass ein Mitarbeiter versucht, in Bezug auf seine Aufgaben auf die nächste Ebene zu kommen. In den ersten vier Stufen kann er das im besten Fall allein schaffen, jeder in seiner eigenen Geschwindigkeit. Die Stufen fünf bis sieben entwickeln sich im Dialog zwischen Führungskraft und Mitarbeiter. Je nach Informations- und Kontrollbedarf der Führungskraft kann dies schneller oder langsamer gehen.

Als Führungskraft kann man mit offenem Feedback unterstützen und klar kommunizieren, welche Form der Initiative im vorliegenden Fall angebracht ist: Erwarte ich einen Vorschlag zu einem Thema, einen Umsetzungsplan oder soll der Mitarbeiter das Thema eigenständig bearbeiten und mir die Ergebnisse mitteilen? Dadurch können viele Missverständnisse vermieden werden.

Ein häufiger Fehler, den ich beobachtet habe, ist die Auffassung, dass nur die Führungskraft alleine dafür verantwortlich ist, wenn Mitarbeiter keine Initiative zeigen. Die Verantwortung liegt aber auf beiden Seiten: Als Führungskraft muss ich dafür sorgen, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich Initiative ergreifen auch lohnt, als Mitarbeiter bin ich aber selbst verantwortlich, mich für eine höhere Stufe der Initiative zu entscheiden.


Initiative gegen Frust

Losgelöst von einzelnen Rollen im Unternehmen würde ich sagen, dass mehr Initiative im Zweifel häufig die bessere Wahl ist – und das würde ich auch jedem raten, der unzufrieden oder frustriert in seinem Beruf ist. Unabhängig von deiner Position kann deine Initiative etwas anstoßen, das sich positiv auf den gesamten Kurs des Unternehmens auswirkt.





Du möchtest noch tiefer in die Materie eintauchen oder dein Wissen an andere weitergeben? Kein Problem! Wir haben dir alle wesentlichen Infos zu den 7 Stufen als Infosheet zusammengestellt – du kannst es dir hier ansehen und herunterladen!

Wenn dich das Thema Motivation interessiert und du tiefer in die Materie einsteigen möchtest, hilft es, auch die Demotivation zu verstehen. Diese haben wir in unserer digitalen Weiterentwicklung für Führungskräfte unter dem eingängigen Namen „Die Treppe des Todes“ genau analysiert und verständlich gemacht.


Schau vorbei!
Deutsch