10 Tipps für deine Führung im Home-Office

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Aufgrund der neuen Maßnahmen zur Eindämmung der Covid19-Erkrankungen besteht derzeit in vielen Unternehmen Home-Office-Pflicht. In manchen Branchen ist die Verlegung der Arbeitstätigkeit auf das heimische Büro kein großes Problem – ein riesiger Vorteil der Digitalisierung. In manchen Branchen und Berufsgruppen bringt die Zeit daheim aber auch riesige Nachteile und Herausforderungen mit sich.

Was von vielen unterschätzt wird, ist die Herausforderung für Führungskräfte. Aktuell sind Mitarbeiter nicht nur örtlich verstreut, auch haben viele von ihnen eine doppelte Belastung durch die Betreuung ihrer Kinder. Das verlangt Empathie und ausgezeichnete Planungsfähigkeit in deiner Führung, wenn einzelne Mitarbeiter nicht ihre volle Arbeitszeit leisten können.

Zusätzlich wird auch die Kommunikation in deinem Team erschwert, da ihr meistens auf das Telefon oder digitale Kommunikationsformen ausweichen müsst. Das bringt nicht nur eine riesige Umstellung in den Köpfen deiner Mitarbeiter mit sich, sondern birgt auch Potenzial für Missverständnisse.

Damit du als Führungskraft trotz dieser Bedingungen gut und sicher führen kannst, habe ich hier 10 wesentliche Tipps zusammengestellt, welche die Führung von Mitarbeitern im Home-Office für dich erleichtern sollen.



1. Kläre Spielregeln – und beuge Fouls vor

Als Führungskraft solltest du vor einer längeren Home-Office-Phase klären, was die Do’s und Dont’s für die Zusammenarbeit vom heimischen Büro aus sind. Das beugt Unsicherheiten und Missverständnissen vor. Dafür kannst du entweder einen kleinen Regelsatz vorgeben oder du erarbeitest gemeinsam mit deinem Team, wie eure Spielregeln aussehen sollen.

Wichtige Punkte, die es zu klären gilt, können so aussehen:

  • Wie regeln wir Pausenzeiten?
  • Kommunizieren wir kurze Abwesenheiten wie den Gang zum Bäcker oder das Ausführen des Hundes?
  • Wie ist die Erreichbarkeit geregelt?
  • Bleiben unsere Kernarbeitszeiten bestehen?


2. Feste Kommunikationskanäle festlegen – für jeden Topf den passenden Deckel

Heutzutage stehen neben Mail und Telefon unzählige Kommunikationskanäle für gemeinsame Zusammenarbeit zur Verfügung. Bei der Fülle an Angeboten solltest du gemeinsam mit deinem Team festlegen, welches Kommunikationstool für welchen Anlass geeignet ist. So gelingt eine schnelle Absprache vielleicht übers Telefon, eine lebhafte Diskussion kann aber besser über einen Videochat entstehen. Für die Verteilung und Beschreibung von Aufgaben ist ein schriftliches System meistens am besten geeignet.



3. Verfügbarkeit im Team klären – und flexible Verbindlichkeiten schaffen

Gerade ist es nicht nur schwer, sich auf eine längere Zeit im Home-Office einzurichten. Für viele Eltern kommt hinzu, dass sie zusätzlich die Betreuung von Klein- und Schulkindern stemmen müssen. Als Führungskraft solltest du dir bewusst machen, dass einige Erwartungen an die Arbeitsleistung zwar nach wie vor realistisch sind, ganz viele aber absolut unrealistisch. Dazu gehört auch oft der 8h-Arbeitstag!

Kläre also in deinem Team, zu welchen Zeiten jeder einzelne wirklich in aller Ruhe von daheim aus arbeiten kann. Gehe dazu am besten auf jeden einzelnen zu und gib genügend Zeit zum Nachdenken.

Außerdem sollte dir klar sein, dass die Angaben nicht als festgeschriebenes Gesetz gelten können. Da sich gerade fast täglich neue Gegebenheiten ergeben können, werden sich auch die Arbeitszeiten deiner Mitarbeiter von Tag zu Tag ändern können.



4. Informationshoheit behalten – und jedem Gerücht die Kraft nehmen

Als Führungskraft gehört es jetzt zu deinen wichtigsten Aufgaben, Gerüchten und falschen Informationen in deinem Unternehmen oder deiner Abteilung den Kampf anzusagen. Wie du das am besten machst?

Du legst für deine Mitarbeiter verständlich fest, wie offizielle Informationen von deiner oder von Unternehmensseite aus weitergegeben werden. Bestenfalls findet eine solche Kommunikation regelmäßig und zu festgelegten Zeiten statt. Damit beugst du nicht nur Gerüchten vor, du schaffst auch einen Orientierungspunkt und Vertrauen in dich.



5. Proaktiv informieren – ohne auf Korrektheit zu verzichten

Es ist in deiner Arbeit als Führungskraft generell wichtig, korrekt und proaktiv zu informieren, in Krisenzeiten ist diese Aufgabe aber geradezu essentiell. Deine Mitarbeiter bauen darauf, durch dich zeitnah und richtig informiert zu werden. Im Umgang mit der Corona-Krise sind besonders Antworten auf solche Fragen wichtig:

  • Wie geht das Unternehmen mit der neuen 1,5-Meter-Abstandspflicht um?
  • Wie reagiert das Unternehmen auf den Rat der Bundesregierung, möglichst im Home-Office zu arbeiten?
  • Kommt für uns die Empfehlung, den Ruhetag sonntags auszusetzen, ebenfalls infrage?

In Krisenzeiten ist es alles andere als leicht, auf Neuerungen im Stundentakt zu reagieren. Wichtig ist hier, dass du dich nicht unter Druck setzen lässt, möglichst schnell zu sein – und Informationen dadurch inkorrekt oder lückenhaft werden. Damit richtest du im Zweifel mehr Schaden an, als dass du Nutzen erzeugst. Versuche daher, eine möglichst gute Balance zwischen „Möglichst frühzeitig informieren“ und „Jederzeit korrekt zu informieren“ zu finden.



6. Verlange von deinen Mitarbeitern Initiative und Eigenverantwortung in der Kommunikation

Leider bedeutet Führungskraft sein nicht gleich, dass man im Besitz von Superkräften ist. Deshalb ist es nicht möglich, dass du jeden Gedanken erraten, jedes Problem kennen und jede Angst vorhersagen kannst. Noch schwieriger wird es, wenn du deine Mitarbeiter nicht persönlich sprechen oder sehen kannst.

Fordere deshalb Initiative und Eigenverantwortung von deinen Mitarbeitern, wenn es um die Kommunikation im Home-Office geht. Gerade bei Punkten, die sehr spezifisch im Fachbereich eines Mitarbeiters liegen, bist du darauf angewiesen, auf Probleme und Unstimmigkeiten aufmerksam gemacht zu werden.

  • Verlangt die Marketing-Strategie gerade ein völlig anderes Wording?
  • Könnte eine bestimmte Kampagne in der Krise missinterpretiert werden?
  • Sind einzelne Aufgaben oder Prozesse erst gar nicht im Home-Office erfüllbar?

Nur wenn deine Mitarbeiter solche Dinge rechtzeitig an dich kommunizieren, könnt ihr gemeinsam an einer Lösung arbeiten und das beste aus der aktuellen Situation für euer Unternehmen machen.



7. Verlange das richtige Maß an Präsenz von deinen Mitarbeitern – Schweigen ist nicht immer Gold

Durch die Arbeit im Home-Office geht ein großer Teil des alltäglichen sozialen Miteinanders unter Kollegen verloren. Bei einigen deiner Mitarbeiter wird sich das in der Kommunikation aufgrund von Chat-Möglichkeiten kaum bemerkbar machen, bei anderen wiederrum kann es dazu führen, dass die Kommunikation völlig wegbricht.

Hier musst du als Führungskraft dafür sorgen, dass ein Mindestmaß an Kommunikation erhalten bleibt. Das kannst du durch gezieltes Nachfassen erreichen, wenn es um wichtige Informationen geht: „Hey, hat dich die Nachricht erreicht?“ Oder „Hey, was ist deine Meinung zu XYZ?“, aber auch durch die in Punkt 1 festgelegten Home-Office Spielregeln.

Wichtig ist nur, dass deine Bemühungen nicht wie Kontrolle wirken, sonst können sie den gegenteiligen Effekt bewirken und der Mitarbeiter zieht sich völlig zurück.



8. Entwickle Routinen – und stärke die Gemeinschaft in deinem Team

In Zeiten der Krise ist es für viele Menschen unheimlich wertvoll und hilfreich, mit einer festen Routine durch den Tag zu gehen. Das vermittelt Sicherheit und gibt Struktur.

Als Führungskraft kannst du das unterstützen, indem du deinem Team vorschlägst, kleine Rituale einzuführen. Wie wäre es mit einem Guten-Morgen-Gruß jedes Teammitglieds oder der täglichen Top 3 an Corona-Memes zum Feierabend über den Team-Chat?

Es muss nichts Spektakuläres sein, aber solche Kleinigkeiten helfen in der Home-office-Zeit jedem durch den Tag!



9. Halte nicht zu starr an Plänen fest – und sei flexibel!

Die Gegebenheiten auf dem Arbeitsmarkt und der Wirtschaft sind gerade so unberechenbar, dass langfristige Pläne kaum sinnvoll sind. So gut dein Plan auch sein mag, es kann schädlich für dich und dein Unternehmen sein, wenn du zu stark an ihm festhältst.

Bemühe dich deshalb darum, eine möglichst flexible Grundhaltung in Bezug aufs Pläneschmieden einzunehmen. Das spart Frust und spart Energie, die du besser darauf verwendest, tolle Alternativen und Lösungen zu finden.



10. Sei ehrlich – auch, wenn‘s wehtut!

Nummer 10 ist die wohl wichtigste Regel im Umgang mit der Corona-Krise und der Home-Office-Phase: Sei unter allen Umständen ehrlich und klar, wenn du etwas kommunizierst.

Gerade auch dann, wenn du nicht weißt, wie es in deinem Unternehmen die nächsten Wochen weitergeht und was das für jeden Mitarbeiter bedeutet. Und auch bei schlechten Neuigkeiten gilt die Devise: lieber direkt sein als falsche Versprechen machen. Letzteres würde nur dazu führen, dass deine Mitarbeiter das Vertrauen in dich verlieren.

Ich hoffe, dieser Guide kann dir helfen, auch in Krisenzeiten einen kühlen Kopf zu bewahren! Falls du noch mehr Einblicke in die Welt des effektiven Führens bekommen möchtest, schau auf unserer Themenseite zu Leadership vorbei!


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