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Aus der Krise in die Chance I – die 4 Phasen
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Weißt du schon, wo du in den 4 Phasen der Krise stehst? Ja? Sehr gut, dann bist du hier genau richtig. Falls du keine Ahnung hast, wovon ich spreche, lohnt sich ein Blick auf den ersten Teil dieser Blogserie, in dem ich dir anhand von 4 Phasen erkläre, wie wir eine Krise durchleben. Dabei steht jede Phase für eine typische Dynamik im Handeln und Denken, die uns evolutionsbedingt eigentlich viele Vorteile bringen sollte – in den meisten Fällen aber leider eher hinderlich ist. Nur die letzte Phase ist die, in die wir alle kommen wollen: Die Phase der Chance!

Die 4 Phasen zu kennen ist wichtig, um zu verstehen, welche Strategie du anwendenden kannst, um möglichst schnell aus der Krise in die Chance zu gelangen.

Denn hier im zweiten Teil der Serie stelle ich dir Tipps und Mechanismen vor, die es dir einfacher machen sollen, durch den Nebel der Krise zu navigieren und dabei genug Ressourcen zu sparen, um den Marathon der Corona-Pandemie bestmöglich zu überstehen. Ich zeige dir also, wie du dich ganz nach Münchhausens Vorbild selbst an den Haaren aus dem Sumpf ziehen oder ins eigene Segel pusten kannst, um in der Krise voran zu kommen.



Stell dich! – Von der Verdrängung in den Schock

Du kennst sicherlich die 3 Affen aus dem japanischen Sprichwort – nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Leider ist das für viele eine beliebte Haltung, um eine Krise auszusitzen und möglichst wenig mit den Folgen in Berührung zu kommen.

Du kannst es dir denken: Diese Haltung ist nicht besonders hilfreich, wenn es um das Erschließen einer neuen Chance geht. Deshalb stell dich bewusst dagegen und frage dich: Wo schaue ich aktuell weg, welcher Wahrheit kann oder will ich mich gerade nicht stellen und welchen Bereichen verschließe ich mich? Sicherlich gibt es angenehmere Dinge als sich mit schlechten Nachrichten zu konfrontieren, aber „truth be told“ – das, was in deinem Kopf vorgeht, ist meistens noch viel schlimmer als die Realität.

Schau der Angst also ruhig in die Augen. Du wirst feststellen, je länger du das tust, desto kleiner wird sie. Das gilt auch für die Angst vor dem Unbekannten. Am besten, du suchst dir für diese Strategie jemanden aus deinem sozialen Umfeld, dem du sehr vertraust. In einem Gespräch könnt ihr gemeinsam ganz bewusst Felder und Themen aufzählen, die momentan von dir – oder euch – vernachlässigt werden.

Noch geht es hier nicht um das Finden einer Lösung. Im Vordergrund steht, dich deiner Angst zu stellen, um ihr die Kraft zu nehmen. Am besten widmest du dich diesem Prozess ausführlich, denn je öfter du ihn unterbrichst, desto öfter musst du dich der Angst in ihrem völligen Ausmaß erneut stellen.



Schaffe dir Eckpfeiler für die Sicherheit! – Vom Schock in die Regelorientierung

Für viele von uns hieß es vor wenigen Wochen: Home-Office, Kinderbetreuung non-stop und möglicherweise sogar Kurzarbeit oder Jobverlust. Mit all diesen plötzlich auf uns einprasselnden Veränderungen umzugehen ist aktuell wohl die größte Herausforderung.

Hier kannst mit dem Bilden einer effektiven Strategie gegenwirken und dir Sicherheit schaffen. Eine echte Routine entsteht, wenn wir anfangen, für uns selbst Regeln zu finden, die in unseren persönlichen neuen Alltag passen. Gerade im Home-Office sind solche Strukturen wichtig, um nicht den Fehler zu machen, pausenlos in Arbeitsbereitschaft zu verfallen oder gegenteilig in eine konstante Produktivitätskrise.

Vielleicht hilft es dir, deinen fehlenden Arbeitsweg mit einem Spaziergang zu simulieren, um morgens in die Gänge und nachmittags zur Ruhe zu kommen. Vielleicht ist eine der aktuell wenigen sinnvollen Investitionen die in die gute Kaffeemaschine, mit der du dich immer wieder in kleinen Pausen selbst belohnen kannst? Vielleicht ist aber auch ein mentaler bzw. körperlicher Ausgleich genau das, was dir jetzt fehlt? Dann hilft dir ein digitales Sport- oder Weiterbildungsprogramm!

Wenn du es schaffst, dir täglich kleine Eckpfeiler in der Tagesgestaltung zu schaffen, dann wirst du auf Dauer einiges an Sicherheit zurückgewinnen. Es ist übrigens kein Paradoxon, dass genau diese Sicherheit zu mehr Flexibilität führt – denn wer erst einmal über Eckpfeiler verfügt, der weiß auch, wie er sie verschieben kann, ohne die Stabilität des Gerüsts in Gefahr zu bringen.



Haltung annehmen! – Von der Regelorientierung in die Chance

Du hast das Gefühl, wieder die Kontrolle über deinen Alltag gewonnen zu haben und kennst die Mechanismen, die dich durch die Krise tragen? Dann ist es für dich an der Zeit, endlich die Chance am Kragen zu packen und loszulegen!

Worauf wartest du noch? Gerade gibt es kein Richtig oder Falsch, denn die Corona-Krise ist für uns alle gültig und dabei so einzigartig, dass niemand die Patentlösung kennt. Bist du nicht auch überrascht, wie gut es im Home-Office läuft? Meetings sind via Video-Calls zwar häufig anstrengender, sie werden aber effizienter, viele Abstimmungen und Entscheidungen werden schneller als je zuvor getroffen, Zeit lässt sich individueller und klüger einteilen, sich zu vernetzen ist viel leichter geworden und plötzlich scheint es en vogue, offen und ehrlich miteinander umzugehen.

Das alles sind vor wenigen Wochen noch Chancen gewesen, die noch nicht ergriffen worden waren. Und jetzt bestimmen sie unseren Alltag. Von uns war nur gefragt, die Bereitschaft zu entwickeln, sie umzusetzen, was uns die Krise gezwungenermaßen vereinfacht hat.

Um eine für dich wirksame Chance zu erkennen, bist du selbst gefragt. Ich kann dir aber gleich versichern, dass du auch ohne Zwang die richtige Haltung für das Ergreifen und Umsetzen von diesen Chancen entwickeln kannst – und ich zeige dir, wie!

Die perfekte Strategie in dieser Phase besteht aus 3 einzelnen Schritten, die zusammen für eine entspannte Haltung sorgen und damit Platz für Kreativität, Agilität und Flexibilität schaffen.



  • Schritt 1: Mach dir bewusst, wofür du dankbar bist!

Falls du dich jetzt fragst: Wofür denn, etwa für die Krise, in der wir gerade stecken? – dann rate ich dir, einen Schritt zurückzutreten und dir ins Gedächtnis zu rufen, wie weich viele von uns gerade fallen. Du bist fähig, am PC oder vor dem Handy zu sitzen, und diesen Artikel zu lesen, während andere beinahe non-stop daran arbeiten, das System am Laufen zu halten. Du bist gesund oder hast in Deutschland die besten Voraussetzungen, wieder gesund zu werden. Du hast Zugang zu finanziellen Hilfen und zu Beratungsstellen. Selbst die Dinge, die dir vielleicht selbstverständlich erscheinen, sind jetzt wichtiger denn je: Die Familie, das Dach überm Kopf und das Essen im Kühlschrank.

Mach dir das bewusst, statt deine Verzichte zu bedauern. Fokussierst du dich auf das, was du durch die Krise loslassen musstest, entstehen nur noch mehr Angst und Verunsicherung, die unter Umständen zu weiteren Verlusten führen können.

Durch die Dankbarkeits-Haltung wirst du hingegen viel freier im Denken und kurbelst einige psychomotorische Prozesse an, welche deine Muskeln entspannen und dadurch solch lästigen Krisen-Nebenerscheinungen wie Verspannungen und Kopfschmerzen vorbeugen.

Am besten, du startest täglich mit diesem Step in deinen Tag: Mach dir schon beim Aufstehen und spätestens beim Frühstück 10 Dinge bewusst, für die du dankbar bist. Dafür kannst du dir ein Dankbarkeitstagebuch zulegen, das du nach und nach füllst.



  • Schritt 2: Mach dir bewusst, was du erreicht hast!

Wenn du deinen Morgen mit der Energie aus der Dankbarkeit startest, dann beende deinen Tag auch mit Energie, indem du deine Erfolge anerkennst. Fokussiere dich ganz auf das, was du in der Zeit der Krise alles geschafft und erfolgreich umgestellt hast, statt dir vor Augen zu halten, was gerade alles nicht wie erwünscht läuft.

Vielleicht fällt es dir schwer, das zu erkennen, aber du hast an jedem einzelnen Tag – in jeder der 4 Krisen-Phasen – etwas erreicht. Du hast neue Routinen entwickelt, dich angepasst, im Home-Office gearbeitet und dir neue Strategien für deine Zukunft zurechtgelegt. Auch wenn mal etwas nicht so gut klappt, wie du es dir wünscht, dann hast du es wenigstens versucht – und der Versuch ist immer der erste Schritt zum Erfolg!

Schreibe dir abends nach Feierabend auf, was du heute alles erreicht hast: Den PC anschalten, Mails beantworten, Calls tätigen … das zählt alles mit dazu! Durch diese Strategie wirst du selbst wieder zum Herrn oder zur Herrin deiner Situation und gewinnst an Kraft, Selbstbewusstsein und Vertrauen in deine eigenen Fähigkeiten!



  • Schritt 3: Finde deine Antwort auf die Frage: Wofür ist das alles gut?

Eine Frage, die man verschieden interpretieren und beantworten kann. Mir geht es vor allem darum, dass diese Frage der Schlüssel von der Krise in die Chance ist. Denn stellst du sie dir regelmäßig und ganz bewusst, richtest du dich automatisch auf das Positive aus und die Wahrscheinlichkeit, eine wirkliche Chance zu finden, wird immer größer.

Vielleicht hat es diese Krise gebraucht, damit du dich beruflich anders orientieren kannst? Vielleicht hat es diese Krise gebraucht, damit du endlich wieder Zeit für dich findest? Vielleicht hat es diese Krise gebraucht, damit du endlich diesen einen erfolgreichen Geschäftszweig finden kannst, der sich bisher nie ergeben hat?

Egal ob Eiscafés, die erfolgreich einen Lieferservice ins Leben gerufen haben (und diesen nie wieder aufgeben wollen), Firmen, die Angebotspaletten digitalisieren konnten (und diese nie wieder umstellen wollen), Meetings, die via Videochat viel besser als je zuvor funktionieren und das Phänomen, dass viele von daheim aus viel produktiver als im Büro arbeiten … all das sind Erfolgsgeschichten, die ohne die Krise wohl nie oder erst sehr viel später geschrieben worden wären.

Wie lautet deine persönliche Erfolgsgeschichte? Für was in deinem Leben ist die Krise ein Antrieb gewesen? Stelle dir diese Fragen täglich und halte die Ergebnisse fest – du wirst staunen, wenn du feststellst, dass du die ein oder andere Chance vielleicht sogar schon umgesetzt hast!



Jetzt bist du dran!

Welche der Strategien ist für dich die mit dem größten Effekt? Wo siehst du Ausbaupotenzial in deinem Krisenmanagement?

Manchmal reicht schon ein kleines Umdenken, um eine ganze Lawine an positiven Veränderungen zu bewirken. Dieses Umdenken liegt aber bei dir – denn nur du selbst kannst dich am eigenen Schopf aus dem Krisensumpf ziehen!

Wenn du mehr über die Wirkweise der Krise auf uns wissen willst, dann lohnt sich ein Blick in den ersten Teil der Blogreihe. Hier erkläre ich dir die 4 Phasen der Krise nochmal im Detail:

Zu Teil I!

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